„The Report“: Wenn der Zweck die Mittel heiligen soll und Menschen zu Monstern werden

Waterboarding, Schläge in den Unterleib, Einsperren in enge Boxen, Nahrungsmanipulation, Nacktheit, tagelanger Schlafentzug: Diese und zahlreiche weitere Methoden zählten nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 zu jenen „erweiterten Verhörtechniken“, derer sich die CIA bediente, um an „einzigartige Informationen“ zu gelangen, die dem US-amerikanischen Geheimdienst bei seinem Kampf gegen den Terror helfen sollten. Dass es sich dabei in keinster Weise um harmlose Ermittlungshilfen, sondern vielmehr um menschenverachtende Foltermethoden handelt, schien auch den beteiligten Agenten schon damals bewusst gewesen zu sein, weshalb diese sich dazu entschieden, sämtliche damit in Verbindung stehende Papiere präventiv zu entsorgen.

Scott Z. Burns Regiedebüt „The Report“ folgt dem ebenso brillanten wie sturen Senatsmitarbeiter Daniel Jones (Adam Driver) bei seinen unermüdlichen Ermittlungen zu den umstrittenen Verhörmethoden der CIA, deren Erfolg bereits zu Beginn des Films unter keinem guten Stern steht. Driver, der sein Facettenreichtum bereits in Filmen wie „Paterson“, „BlacKkKlansman“ sowie der aktuellen „Star Wars“-Trilogie unter Beweis stellen konnte, schafft es, den stets renitent dreinblickenden Jones trotz seiner rechtschaffenen Wahrheitssuche nicht zur tugendhaften Erlöserfigur werden zu lassen oder ihn auf ein moralisches Podest zu heben. Dem scheinbar aussichtslosen juristischen Leitfaden folgen oder doch lieber wie Edward Snowden zur kontroversen Whistleblower-Figur werden? Jones befindet sich ständig in einem inneren Kampf mit sich selbst.

Weil ein Großteil der von Jones und seinem Team angestellten Nachforschungen aus dem mühseligen Durchkämmen alter E-Mails und Unterlagen besteht (zum Interview erklärten sich damals verständlicherweise nur wenige der Beteiligten bereit), werden dem Zuschauer die Gräueltaten der Anti-Terror-Agenten durch entsprechende Rückblenden zu Gemüte geführt. Diese sind ebenso unangenehm wie notwendig, sorgen jedoch auch für das einzige kleine Manko des ansonsten packenden Polit-Thrillers: Jones‘ Gegenspieler (wunderbar unsympathisch gespielt von „Dexter“-Antiheld Michael C. Hall und „Emergency Room“-Ärztin Maura Tierney) haben dabei das Pech, ohne jegliche Tiefe zu skrupellosen Bösewichten degradiert zu werden.

Leider nur ein halbgarer Erfolg in Sachen Gerechtigkeit

Das ist zwar nachvollziehbar, nimmt dem historischen Erzählmaterial aber genau jenen Aspekt, der ihn in der Realität so beklemmend macht: Die Tatsache, dass besagte Foltermethoden in den USA vor nur wenigen Jahren (und in anderen Ländern noch heute) nicht nur von „echten“ Menschen angewandt wurden, sondern diese außerdem bis heute der Ansicht sind, damit einem höheren Zweck gedient zu haben.

So bleibt „The Report“ eine einwandfreie Hommage an Daniel Jones und Senatorin Dianne Feinstein, deren Zusammenarbeit schließlich dafür sorgte, dass immerhin eine gekürzte Version der Wahrheit das Licht der Welt erblicken durfte. Dass die „Committee Study of the Central Intelligence Agency’s Detention and Interrogation Program“ (wie der originale Titel des 2014 erschienenen Berichts lautete) trotzdem nur einen halbgaren Erfolg in Sachen Gerechtigkeit darstellte, zeigt der Epilog des Films: Zwar erklärte man sämtliche Foltermethoden im Nachhinein für rechtswidrig, jedoch wurde keiner der zuständigen CIA-Mitarbeiter jemals für seine Beteiligung an besagten Praktiken belangt.

„The Report“ kommt am 07. November 2019 in die deutschen Kinos. Ab dem 29. November läuft er bei Amazon Prime Video.

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