„The End Of The F***ing World“ (Staffel 2): Der gelungene Abschluss einer skurril-makaberen Bonnie-und-Clyde-Geschichte

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Review

„The End Of The F***ing World“ (Staffel 2): Der gelungene Abschluss einer skurril-makaberen Bonnie-und-Clyde-Geschichte

„Liebe gibt dir einen klaren Blick auf das, was richtig ist und was falsch. Und wenn jemand etwas Falsches getan hat, muss er bestraft werden.“

Die zweite „The End Of The F***ing World“-Staffel beginnt wider Erwarten nicht mit einer „Where Are They Now?“-Einführung zu James (Alex Lawther) und Alyssa (Jessica Barden), den jugendlichen Antihelden aus dem ersten Teil der schwarzen Netflix-Dramedy. Stattdessen wird die erste Folge genutzt, um dem Zuschauer eine komplett neue Figur nahe zu bringen: Bonnie, von ihrer Mutter zu stummer Disziplin erzogen, tut sich schwer mit anderen Menschen. Kein Wunder also, dass sie die Ermordung ihres Lieblingsprofessors (und gleichzeitig ersten und einzigen Liebhabers) besonders schwer trifft. Bonnie sinnt auf Rache, die Mörder sollen büßen – womit wir bei James und Alyssa wären.

Definitiv keine Psychopathen, dafür inzwischen stark traumatisiert

Das Bonnie-und-Clyde-Gespann hatte sich im Laufe der ersten Staffel bereits ordentlich in die Bredouille gebracht. Ein von jugendlichem Leichtsinn motivierter Road-Trip endete mit einer Fast-Vergewaltigung Alyssas, dem Mord des dafür verantwortlichen Widerlings und einer Kugel in James‘ Rücken. Achtung, Spoiler: Er überlebt. Was jedoch nicht bedeutet, dass die junge Liebe nun ihr wohlverdientes Happy-End finden dürfte.

Kristallisierte sich schon im Laufe der ersten Staffel heraus, dass es sich bei James (und Alyssa) wohl doch nicht, wie anfangs von ersterem prognostiziert, um Psychopathen handelt, so besteht über die Richtigkeit dieser Annahme inzwischen absolut kein Zweifel mehr. Während sich Alyssa gebeutelt von ihrem schweren Trauma komplett in sich selbst zurückgezogen hat, wünscht sich James nichts sehnlicher, als die Gunst seiner einstigen Weggefährtin zurückzugewinnen. Gekoppelt mit Bonnies Unfähigkeit, ihren verstorbenen Liebhaber als das Monster zu erkennen, das er tatsächlich war, bestimmen die Schicksale der Teenager das Kernthema der zweiten Staffel: Traumata und die Bewältigung ebenjener.

Tragik und Komik liegen nah beieinander

Der schwere Erzählstoff erklärt, warum es (trotz einiger herrlich sarkastischer Beobachtungen Alyssas) diesmal durchschnittlich weniger zu Lachen gibt. Der Ton bleibt dennoch der gleiche: Die ohnehin schon cleveren Voice-over gewinnen im dialogischen Wechselspiel noch einmal zusätzlich an Finesse, und nie liegen Tragik und Komik so nah beieinander wie in Alyssas‘ perfektionierter Gesichtsakrobatik.

Bei einer durchschnittlichen Dauer von knapp 20 Minuten sind auch die erzählerisch langsameren Episoden ohne Weiteres auszuhalten. Nicht zuletzt weil der Zuschauer in der Regel mit einem dramaturgischen Feuerwerk am Ende der betroffenen Folge belohnt wird. Vor allem aber ist es das Zusammenspiel der exzentrischen Protagonisten, besonders in Verbindung mit vermeintlichen „Normalos“, das selbst aus der belanglosesten Situation ein skurriles Highlight werden lässt. So zum Beispiel, wenn Alyssas Verlobter Todd ihr zu erklären versucht, warum Finnland eigentlich gar nicht existiere, sondern „während des Kalten Krieges künstlich von den Russen aufgeschüttet wurde“.

Keine losen Enden

Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger werden in der zweiten Staffel der britischen Indie-Serie schließlich alle losen Enden zusammengeführt. Eine wohlüberlegte Entscheidung, wenn man Drehbuchautorin Charlie Covell glauben darf. Diese hatte erst kürzlich verkündet, keine dritte Staffel produzieren zu wollen. „Ich glaube, für mich war es das jetzt. Ja, das ist erledigt. Ich denke, es wäre falsch, zu versuchen, mehr herauszuquetschen. Mir gefällt, wobei wir es belassen haben“, so Covell im Gespräch mit „Radio Times“. Wir sehen das ganz genau so.

Die zweite Staffel „The End Of The F***ing World“ kann seit dem 04. November bei Netflix gestreamt werden.

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